Jeder vierte Mensch wird zumindest einmal in seinem Leben psychisch krank oder durchlebt eine psychische Krise. Jeder fünfte in Europa lebende Mensch fühlt sich psychisch beeinträchtigt.
Psychische Störungen nehmen weltweit zu, allen voran affektive Störungen (Depressionen), Angst- und Alkoholerkrankungen. Während bei körperlichen Beschwerden die Konsultation eines Arztes als selbstverständlich angesehen wird, ist diese im Falle psychischer Erkrankungen weiterhin eher die Ausnahme als die Regel. Die Gründe hierfür mögen vielfältig sein, wenngleich die Angst der Betroffenen vor Diskriminierung auch im 21. Jahrhundert noch eine bedeutende Rolle spielt.
Dem Bedarf an spezifischen Behandlungsangeboten in diesem Bereich wird seit einigen Jahren durch die kontinuierliche Ausweitung ambulanter und stationärer Betreuungseinrichtungen in ganz Österreich begegnet. Die Implementierung einer psychiatrischen Abteilung in einem Schwerpunktspital stellt nun einen weiteren entscheidenden Schritt in Richtung Enttabuisierung und Entstigmatisierung psychisch kranker Menschen dar.
Gemäß des Österreich-weiten Psychiatrieplans wird im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt die erste stationäre Versorgungseinrichtung für Patienten mit psychischen Erkrankungen für das nördliche Burgenland aufgebaut. Neben den bereits bestehenden ambulanten Betreuungseinrichtungen wird somit das Angebot zur Behandlung psychischer Störungen deutlich erweitert.
Im Vorfeld wurde seit 2005 im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Eisenstadt zunächst ein psychiatrischer Konsiliar- Dienst etabliert, welcher auch nach Eröffnung der stationären Abteilung weitergeführt wird.
Seit Jänner 2007 besteht eine Station mit 16 Betten. Aufgrund der eingeschränkten Bettenkapazität können vorerst nur Patienten aus den Bezirken Eisenstadt, Eisenstadt-Umgebung, sowie aus dem Bezirk Mattersburg stationär behandelt werden, was auch der, in der Psychiatrie seit langem bestehenden Regionalisierung (d.h.: jede psychiatrische Fachabteilung steht für eine spezielle Region und Anzahl von Menschen zur Verfügung) entspricht. Dahinter stehen das Ziel eine gemeindenahe psychiatrische Versorgung unter Einhaltung hoher Qualitätsstandards zu sichern.
Der weitere Plan sieht in den kommenden 1 bis 2 Jahren den Ausbau der Abteilung mit einer ausreichenden Zahl von Behandlungsplätzen für Patienten aus dem Nordburgenland vor, deren Betreuung bislang durch das Donauklinikum Tulln und die psychiatrische Abteilung im Krankenhaus Neunkirchen erfolgte.
Die Behandlung von Patienten entsprechend dem Unterbringungsgesetz ist uns vorerst aus rechtlichen und organisatorischen Gründen nicht möglich und erfolgt zur Zeit durch psychiatrische Abteilungen in Wiener Krankenhäusern.