Österreichweit einzigartiges Projekt: Neue Erkenntnisse bei der Sprachentwicklung von mehrsprachigen Kindern
Interessiert informierte er sich bei Prim. Priv. Doz. Dr. Johannes Fellinger und Priv. Doz. Dr. Daniel Holzinger über die Erkenntnisse des Österreichweit einzigartigen Projektes.
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Foto 1: v.l.n.r.: Mag. Bernhard Baier, Priv. Doz. Dr. Daniel Holzinger, Prim. Priv. Doz. Dr. Johannes Fellinger, Staatssekretär Sebastian Kurz, Mag. Peter Ausweger (Gesamtleiter Konventhospital Barmherzige Brüder Linz), Frater Engelbert W. Raab OH (Prior Konvent Barmherzige Brüder Linz) |
In Zusammenarbeit mit oberösterreichischen Kinderärzten wurden anlässlich der Mutter-Kind-Pass-Untersuchungen über 4.000 Kinder im Alter von zwei und drei Jahren hinsichtlich ihrer Sprachentwicklung untersucht. Darunter befanden sich 1.000 Kinder mit Migrationshintergrund. Bei 15 Prozent der Kinder zeigten sich Sprachentwicklungsprobleme in der Muttersprache, die sich auch stark negativ auf den Erwerb des Deutschen als Zweitsprache auswirken. Dies wurde anhand eines in der jeweiligen Muttersprache ausgearbeiteten Fragebogens erhoben. Der jeweilige Entwicklungsstand und die individuell darauf abgestimmte Empfehlung wurden dann mit den Eltern besprochen. Bei stark ausgeprägten Sprachentwicklungsproblemen wurden die Kinder an die Neurologisch-linguistische Ambulanz im Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz überwiesen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
Im Alter von 2-3 Jahren ist die Beschäftigung und Auseinandersetzung mit der jeweiligen Muttersprache sehr wichtig. Z.B. Wird der Mutter empfohlen, sich mit dem Kind ein Bilderbuch anzusehen und in der Muttersprache zu besprechen.
Je früher ein Zugang zur Deutschen Sprache gegeben ist, desto besser sind die Chancen für das Kind, in der Schule dem Unterricht folgen zu können. Das Abwarten bis ein gewisses Niveau in der Erstsprache erreicht ist, ist nicht notwendig um mit der Zweitsprache beginnen zu können.
Staatssekretariat für Integration setzt auf Zusammenarbeit mit Barmherzigen Brüder
„Dieses oberösterreichische Modell hat sicherlich Vorbildcharakter und zeigt, dass die frühzeitige Auseinandersetzung mit der deutschen Sprache absolut der richtige Weg ist“, so Kurz. Man habe vor, in Zukunft in dieser Thematik die Expertise der beiden Experten Fellinger und Holzinger zu nutzen. Erster Schritt müsse es jetzt sein, bestehende Sprachfördermodelle auf ihre Wirksamkeit zu evaluieren.
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| Staatssekretär Kurz und Prim. Dr. Fellinger im Gespräch |
Allgemeines zum Projekt SPES
Mindestens acht von hundert Kindern sind laut der vorliegenden Studie von einer Sprachstörung betroffen. Sprachstörungen haben sehr häufig anhaltende negative Auswirkungen auf schulisches und berufliches Lernen, psycho-soziale Gesundheit und Lebensqualität.
Ziel des Projektes war ein Screeningverfahren zu entwickeln, das unter der Mitarbeit niedergelassener Kinderfachärzte hilft, Kinder mit Sprachstörungen möglichst früh herauszufiltern und geeignete Maßnahmen einzuleiten, um diese Störungen bereits in frühen Jahren entweder zu beseitigen oder zu lindern. Im Hinblick auf die psycho-soziale, geistige und schulische Entwicklung der betroffenen Kinder ist die Früherkennung von Sprachstörung äußerst wichtig. Durch das Herausfiltern der Risikokinder wird auch deren Eltern die Möglichkeit gegeben, die Kinder sprachfördernd im Alltag zu unterstützen.
Die Entwicklung des SPES-Sprachscreenings erfolgte in einem fünfjährigen Forschungsprogramm des Instituts für Sinnes- und Sprachneurologie im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Linz unter der Leitung von Prim. Priv. Doz. Dr. Johannes Fellinger und der Projektleitung von Priv. Doz. Dr. Daniel Holzinger gemeinsam mit der Fachgruppe der Kinderärzte in OÖ und wird vom Land Oberösterreich finanziert.
Rückfragehinweis:
Doris Nentwich
Pressesprecherin Krankenhaus Barmherzige Brüder Linz
0732/7897-26006
0650/5427299
doris.nentwich@bblinz.at

