Tuesday 22. May 2012

Inhalt:

Die Barmherzigen Brüder fordern Chancengleichheit für alle Menschen

Inklusion und Kooperationen sind notwendige Voraussetzungen, um bestehende Barrieren abzubauen

Im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien fanden sich am 2. Dezember 60 TeilnehmerInnen zur Veranstaltung „Chance Ausbildung. Chance Zukunft. Diskussionsveranstaltung zum Thema Medizin, Ausbildung und Beruf für Menschen mit individuellem, spezifischem Bedarf" ein.

Die TeilnehmerInnen von zwei hochkarätig besetzten Diskussionsrunden bekräftigten einmal mehr, dass alle Menschen gleich sind und gleiche Chancen sowie gleiche Behandlung verdienen, jecoch derzeit die dafür notwendigen Rahmenbedingungen in vielen Bereichen, wie beispielsweise Bildung und Zugang zu medizinischer Versorgung für Menschen mit spezifischem Bedarf, noch mangelhaft sind. In anderen Bereichen, so die ExpertInnen, beispielsweise in der Berufsausbildung für gehörlose Menschen, werden erste Erfolge verzeichnet. Sozialminister Hundstorfer bekräftigte in seinem Schlusswort, für eine Gleichstellung behinderter und nichtbehinderter Menschen weiterhin mit vollem Engagement einzutreten und die Umsetzung der entsprechenden gesetzlichen Vorgaben gezielt voranzutreiben.

  

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Über 60 TeilnehmerInnen nahmen an der Veranstaltung

"Chance. Ausbildung. Chance. Zukunft" teil.

   

Probleme erkennen – Probleme beheben

Als zentrale Probleme für die Gleichstellung behinderter mit nichtbehinderten Menschen nannten die Diskussionspartner die oft schlechteren Bildungschancen, den mangelnden Zugang zum Arbeitsmarkt und dadurch bedingt die höhere Armutsrate sowie den fehlenden Zugang zur Gesundheitsversorgung.

Dr.in Maria Bruckmüller von der Lebenshilfe Österreich sowie Prof. Jan Van Arkel von den Lebenswelten der Barmherzigen Brüder erläuterten, dass erst mit dem Abbau der Barrieren ein Umfeld geschaffen werden könnte, in welchem behinderte und beeinträchtige Menschen gemäß ihrer eigenen Möglichkeiten leben könnten.

Der Gastgeber, das Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien, stellte im Rahmen der Diskussionsrunde auch den eigenen Beitrag – die Mehrfachbehindertenambulanz vor. Diese ermöglicht behinderten Menschen den Zugang zu medizinischer Versorgung und nimmt dabei vor allem Rücksicht auf Besonderheiten, die im Umgang mit mehrfachbehinderten Menschen zu beachten sind. „Wir sprechen die PatientInnen direkt und auch mit Namen an, nehmen uns viel Zeit und geben zahlreiche Erklärungen in einfacher Sprache, schaffen eine angenehme Atmosphäre und fragen regelmäßig nach, ob alles verstanden wurde. Selbstverständlich sind die Betreuungspersonen in alle Schritte einbezogen. Gegenseitiger Respekt, Achtung und Geduld sind das A und O bei unserer Arbeit," gab Dr. Reinhard Pichler, Gesamtleiter des Wiener Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, einen Einblick in die Tätigkeit der Mehrfachbehindertenambulanz.

 

 

Gehörlos, aber weder Sprach- noch Chancenlos

Die zweite Diskussionsrunde widmete sich dem Thema Ausbildung für gehörlose Menschen, wobei hier als zentraler Aspekt von den DiskussionsteilnehmerInnen die Kommunikation und Interaktion angesprochen worden ist. Dabei hielt Florian Gravogl, Obmann des WITAF-seit 1865 im Dienste der Gehörlosen, fest, dass der WITAF eine Vorreiterrolle innehat und an der Implementierung des Projektes WITAF-Arbeitsassistenz für Gehörlose, durchgeführt 1997 vom Bundessozialamt, maßgeblich beteiligt war. Matthias Fenkart von equalizent stellte fest, dass es heute wesentlich bessere Chancen für Gehörlose im Bereich Ausbildung und Beruf gibt als früher. Als Grund dafür führte er die Anerkennung der Österreichischen Gebärdensprache als offizielle Sprache an. Gleichzeitig hielten aber sowohl Matthias Fenkart als auch der Obmann des WITAF fest, dass Chancengleichheit für Gehörlose bei weitem noch nicht erreicht ist!

Chancen für eine hochqualitative Ausbildung im Gesundheitswesen erhalten derzeit 5 gehörlose Frauen an der Pflegeakademie der Barmherzigen Brüder in Wien. Sie absolvieren zur Zeit eine Ausbildung zur Pflegehelferin, die vom Bundessozialamt finanziert wird, wie Dr.in Andrea Schmon, Landesstellenleiterin Wien, im Rahmen der Diskussion festhielt: „Durch die Österreichische Gebärdensprache und vor allem durch den vermehrten Einsatz von GebärdensprachdolmetscherInnen gelingt es gehörlosen Menschen heute leichter, eine Höherqualifizierung zu erreichen und für Hörbehinderte nicht traditionelle Berufe zu ergreifen. Das Bundessozialamt finanziert die Ausbildung für die fünf gehörlosen Frauen zur Pflegehelferin und wir hoffen, dass diesem Vorzeigeprojekt noch weitere folgen werden."

Ebenso überzeugt von der Ausbildung zeigte sich Schuldirektorin Mag.a Barbara Zinka, die vor allem den integrativen Ansatz – fünf gehörlose und zwölf hörende Auszubildende absolvieren gemeinsam die Ausbildung – sowie die hochqualitative Ausbildung während der Diskussion hervorhob.

 
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Bundesminister Rudolf Hundstorfer mit den DiskussionsteilnehmerInnen und den Selbstvertreterinnen der Lebenshilfe Wien
 

Gemeinsam in die Zukunft gehen

Bei seinen Schlussworten bedankte sich Sozialminister Rudolf Hundstorfer bei den Behinderten-inrichtungen und NGOs für deren Einsatz, gleichzeitig bat er um Unterstützumg und Zusammenarbeit um die Behindertenpolitik in die Zukunft führen zu könnnen. "Wir haben noch einen weiten Weg vor uns, bevor wir von Gleichstellung aller Menschen sprechen können. Es gilt so wie bei der persönlichen Assistenz am Arbeitssplatz auch in den privaten Lebensbereichen bundeseinheitliche Regelungen zu schaffen sowie die sozialrectliche Absicherung von Menschen in Beschäftigiungstherapie weiter zu verbessern und die bisherigen Erfolge in der Arbeitsmarktpolitik fortzuführen. Gleichstellung geht einher mit Teilhabe, weshalb Initiativen wie diese Veranstaltung für die Entwicklung einer nachhaltigen Behindertenpolitik von großer Bedeutung sind."

 

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Prof. Dr. Jan Van Arkel (Leiter Lebenswelten der Barmherzigen Brüder), Mag. Barbara Zinka (Direktorin der Pflegeakademie der Barmherzigen Brüder), Dr. Maria Bruckmüller (Lebenshilfe Österreich) und Dr. Reinhard Pichler (Gesamtleiter Krankenhaus der Barmherzigen Brüder Wien)

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